Archiv für August, 2014

Der monatliche Versuch des Honorarbetrugs: Heute mal ein 145.000 US$-Scheck in der Kanzleipost

Von Bernhard Schmeilzl (08.08.2014)
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Achtung Kollegen: Scheckbetrüger-Gesindel benutzt immer professioneller aussehende Dokumente. Speziell Anwaltskanzleien sind häufig Ziel

Wir bearbeiten viele internationale Fälle, vor allem mit Mandanten in UK und USA. Dafür haben wir spezielle Websites eingerichtet. Neben netten echten Mandanten zieht die Site leider auch regelmäßig Betrügergesindel an. Die meisten sind ganz offensichtlich als solche erkennbar und wir antworten gar nicht erst. Mit heutiger Post erhielt ich aber diese beiden ausnehmend schönen Citibank-Schecks über 145.500 US$ Fremdgeld und 806 US$ Anwaltshonorar (die falschen Schecks). Wie es bei Harald Schmidt früher hieß: In Farbe und bunt. Sogar mit Wasserzeichen. Eigentlich erfreulich. Andererseits auch wieder nicht, sie sind nämlich gefälscht. Würde ich sie zur Bank tragen, würde mir der Betrag erst einmal auf dem Konto (vermeintlich) gutgeschrieben. Einige Wochen später würde ich dann von meiner Bank informiert, dass der Scheck leider geplatzt ist, die ausländische Bank ihn also nicht eingelöst hat. Das wäre sehr betrüblich, denn mein „Mandant“ hätte mich zwischenzeitlich gebeten, das Fremdgeld an ihn zu überweisen. Wäre ich naiv genug gewesen, das zu tun, dann würde mich meine Frau aus dem Haus werfen, weil ich dann leider 145,000 US$ Schulden hätte.

Also lieber nicht. Stattdessen schicken wir die ganzen Dokumente jetzt an die kanadische, US-amerikanische und deutsche Polizei, die alle „Internet-Fraud-Police“-Abteilungen eingerichtet haben (in Ontario zum Beispiel hier) und wundern uns dann in etwa sechs Monaten darüber, warum man solche Betrüger eigentlich nie findet.

Ach ja, die Hintergrundstory war übrigens: Frau Miller aus USA hat einen Schuldschein gegen Herrn Schneider, der nicht zahlt. Ich soll ihn mahnen (per email, weil eine deutsche Adresse hat der Herr Schneider nicht). Obwohl ich da schon weiß, wo die Reise hingeht, mahne ich ihn spaßeshalber mal. Darauf kommt doch tatsächlich gleich dieser schöne reumütige Brief des Herrn Schneider, sogar mit kanadischer Briefmarke, und auch gleich mit beigefügten Schecks (der reumütige Brief). Nur leider ist die Unterschrift auf den Schecks nicht echt, sondern der Einfachheit gleich mit ausgedruckt. Ferner hat der Scheck noch etwa fünf weitere Indizien einer Fälschung, aber wir wollen ja nicht gleich alle Betriebsgeheimnisse verraten.

Hier gibt es weitere Infos zu Internet-Scheckbetrug und Check Fraud Schemes.

Crystal-Meth: Wie gefährlich ist es wirklich?

Von Bernhard Schmeilzl (05.08.2014)
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Sehr informatives Interview mit Psychiater und Drogentherapeut Härtel-Petri (als Podcast)

Teufelszeug, Todesdroge oder – wie der Bundestagsabgeordnete Michael Hartmann durch sein Arztattest („Es ist keine Abhängigkeit entstanden“) suggeriert – beherrschbares Mittel zur vorübergehenden Leistungssteigerung? Die meisten Pressebeiträge zeigen die „Before and After Crystal Meth-Bilder„, geben die oberflächlichen Klischees von „Meth-Teeth“ oder „Meth-Bugs“ und der sofortigen Abhängigkeit wieder. Tiefer geht die Analyse meist nicht. Darum sticht das einstündige Interview mit dem Facharzt für Psychiatrie Dr. Roland Härtel-Petri heraus. Härtel-Petri beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Suchtpatienten und kann daher die Auswirkungen verschiedener Drogen aus eigener Praxis gut beurteilen. Was passiert mit Meth-Abhängigen wirklich? Warum ist Meth schlimmer als Kokain? Wie kommen sie – wenn überhaupt – wieder raus? Wer ernsthaft über Crystal-Meth mit diskutieren will, sollte sich das Interview im BR-Tagesgespräch vom 4. August 2014 anhören (Download auch hier: 140804_1200_Tagesgespraech_Crystal-Meth_Dr_Roland_Härtel-Petri).

Haftungsansprüche gegen Anwalt wegen Falschberatung sind selten je verjährt

Von Bernhard Schmeilzl (01.08.2014)
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Zwar verjähren auch Schadensersatz- oder Regressansprüche gegen Rechtsanwälte gemäß den allgemein Vorschriften (§§ 194 ff BGB), also nach drei Jahren ab dem Schluss des Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist (§ 199 Abs. 1 Nr. 1 BGB) und der Mandant von der Person des Schuldners und von den den Anspruch begründenden Umständen Kenntnis erlangt oder ohne grobe Fahrlässigkeit erlangen müsste (§ 199 Abs. 1 Nr. 2 BGB). Aber: Laut BGH-Rechtsprechung (zuletzt mit Urteil vom 6.2.2014 – IX ZR 217/12) beginnt diese dreijährige Verjährung eines Anspruches wegen anwaltlicher Falschberatung erst dann zu laufen, wenn dem Mandanten Umstände bekannt werden, aus denen sich ergibt, dass der Rechtsberater Maßnahmen nicht eingeleitet hat, die aus rechtlicher Sicht zur Vermeidung eines Schadens erforderlich waren. Diese „Kenntnis der den Anspruch begründenden Umstände“ hat der Mandant eben nicht bereits dann, wenn er weiß, dass er – flapsig formuliert – den Prozess verloren hat. Sondern er muss auch Kenntnis von Tatsachen erlangen, die auf einen Anwaltsfehler hindeuten. BGH: „Die Fachkunde des Rechtsanwalts und das Vertrauen seines Auftraggebers begründen im Rahmen eines Anwaltsvertrages typischerweise eine Überlegenheit des Anwalts gegenüber seinem regelmäßig rechtsunkundigen Mandanten. Ohne Kenntnis von Tatsachen, die aus seiner Sicht auf eine anwaltliche Pflichtverletzung deuten, habe dieser keine Veranlassung, die anwaltliche Leistung in Frage zu stellen.“

Fazit: Da ein Anwalt gegenüber dem eigenen Mandanten selten von sich aus thematisieren wird, dass er da vielleicht etwas nicht ganz optimal gemacht hat, und sich auch Richter selten in Anwaltsschelte üben, dürfte ein Anwaltsfehler für den Mandanten in den wenigsten Fällen evident sein. In der Praxis heißt dass, dass Rechtsanwälte häufig noch viele Jahre später mit Schadensersatzforderungen konfrontiert werden können. Ein weiterer Grund, über die Rechtsform der PartGmbB nachzudenken.

Hier finden Sie weitere Beiträge zum Anwaltsrecht sowie zum Thema Anwaltshonorar