Zur Einschätzung der Motive von Thilo Sarrazin ist vielleicht eine kleine Rückschau hilfreich. Bei Frank Plasberg und Maybrit Illner war diese Woche ja von mehreren Diskutanten die Einschätzung zu hören, der arme Sarrazin habe diese ganze Aufregung gar nicht gewollt, sei persönlich eher ein schüchterner, zurückhalter Mensch und eher ängstlich veranlagt. Sarrazin selbst teilte mit, er habe das Buch vor allem “für sich selbst” geschrieben, um “in seinem Kopf Klarheit zu bekommen”. Aha! Ja, das überzeugt mich. Er hatte keinerlei Provokation gewollt, nur um die Sache geht es ihm. Das war ja bei ihm schon immer so, wie man in folgenden Zeitungsartikeln aus 2006 (Welt: wohlgesonnen) und 2008 (taz: kritisch) schön nachlesen kann. Nun ja. Der arme, missverstandene Thilo möge den Aufmerksamkeits-Tsunami zu seiner Person genießen. Es wird wohl sein letzter Coup gewesen sein. Ich wage die Prognose: In zwei Wochen wird die nächste Sau durch’s Mediendorf getrieben und Sarrazin wird durch seine Omnipräsenz immer mehr Menschen schlicht auf die Nerven fallen. Ohne Amt (denn diese Loose-Cannon nimmt nun – außer der NPD – nun wohl endgültig keiner mehr “unter Vertrag”) fehlt seinen Äußerungen dann auch die politische Relevanz. Und dass er seine Thesen durch persönlichen Charme und Charisma in den Medien hält, sehe ich persönlich nicht kommen. Daher hier schon mal ein “Adieu Thilo! Ich hoffe, Du hattest Spaß.”
Kategorie ‘Humorhaber’
“Gegnerliste” auf Kanzleiwebsite stellen?
Im Wettbewerb um das Mandat suchen die rund 155.000 Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte (Statistik hier) nach guten Marketing-Ideen. Manche arbeiten graphisch zwar immer noch mit den klassischen Klischees Robe, Gesetzestext, Säule, Justizia und natürlich Paragraphenzeichen (allesamt hier vereint auf einer einzigen Anwaltswebsite). Auf anderen Kanzleiwebsites findet man jedoch auch so manch verblüffende Angabe: Über die “Spezialisten für alles“ hatten wir bereits berichtet. Kollege Meyer wählt einen anderen Ansatz. Auf seiner sonst eher spartanischen Website findet man eine “Gegnerliste”, also eine Liste von Unternehmen, gegen die ihm Mandate erteilt wurden. Und die ist ganz schön lang. Das who is who der deutschen (Medien-)Wirtschaft. Beeindruckend. Meinen Neid erregend. Aber macht man das? Darf man das? Bringt das ‘was? So viele Fragen. Und übrigens: Wieder ein Spezialist, diesmal für Presserecht (siehe die Diskussion gestern)
Für Schnäppchenjäger: Die TOP 20 Download-Muster auf rechthaber
Wir riskieren jetzt einfach mal, dass uns Kollege Siebers wieder vorwirft, schimmligen Kaffee aufzuwären und der anonyme Kommentator “Angemeldeter” an meiner Anwaltszulassung zweifelt. Sei’s drum: Die Statcounter-Auswertung ergibt, dass folgende Muster, Formulare, Textbausteine und Infobroschüren die beliebtesten Downloads auf Rechthaber.com sind. Sollte es uns nachdenklich stimmen, dass das mit großem Abstand am häufigsten heruntergeladene Formulierungsmuster eine Treuhandvereinbarung ist?
Hier die Top-20-Liste: (…) [mehr]
Ist das Jurablogs-Ranking korrupt?
Ja, OK, die Überschrift hat den Zweck, Leser anzulocken. Natürlich unterstellen wir dem Kollegen Klappenbach keinen Vorsatz! Aber inhaltlich stimmt meines Erachtens bei Jurablogs mit so mancher Berechnungsformel wirklich etwas nicht. Worum geht’s: JuraBlogs stellte bekanntlich vor einiger Zeit die Ranking-Kriterien um und bewertet die Blogs nun in vier Kategorien. Über die Sinnhaftigkeit und Aussagekraft dieser Kategorien kann man ja trefflich streiten, vor allem über “B: Frequenz des Bloggens” und “D: Ausgehende Links”. Diese Diskussion will ich hier aber gar nicht führen. Vielmehr geht es mir darum, dass diese Kriterien dann wenigstens korrekt angewendet werden. Das werden sie nämlich nicht. Ein kleines Beispiel:
Klickt man im Jurablogs-Ranking den Blog NEBGEN an (derzeit insgesamt Platz 2) so liest man aktuell zu Kategorie D: “38 Links aus diesem Blog verweisen auf 20 andere JuraBlogs. Dies ergibt den 7. Platz nach ausgehenden Links”.
Bei unserem Blog findet man die Info: “40 Links aus diesem Blog verweisen auf 28 andere JuraBlogs. Dies ergibt den 18. Platz nach ausgehenden Links”
Aha!? Steh ich da jetzt irgendwo auf dem Schlauch oder rotiert Herr Einstein grad im Grab?
Von armseligen Troll-Würstchen, Gegnerlisten und Humorhabern: Die Replik
Gottchen, lieber Kollege Siebers, da haben Sie’s uns aber gewaltig eingeschenkt. Mein lieber Mann! Aber wir sehen es ein: Wir sind nichtswürdige Schreiberlinge, die den ganzen Tag nur arglose Blogger diffamieren und grundlos “dissen”. Trolle halt (die man laut Wikipedia keinesfalls füttern darf). Ideenlos sind wir und wenn wir dann doch mal etwas schreiben, dann ist es doof und unkomisch. Wissenschaftlich unzitierbar sowieso. Kein Vergleich mit Ihren hochwertigen Portalen wie “Schäuble muss weg” – da setzen Sie ganz andere journalistische Standards, differenziert, ausgewogen, faktenreich. Schließlich sind Sie ja Mitglied im Deutschen Presseverband. Das merkt man einfach. Sogar mit Video-Botschaften wird gearbeitet. Wow! (…) [mehr]
Spezialist für juristischen Kloakenfunk und anderes?
Die reißerische Überschrift dieses Beitrags des Kollegen Siebers (die ihn – ihren Zweck erfüllend – auch gleich auf Posting-Platz 1 katapultiert hat) brachte mich auf seine Blog-Website. Dort liest man im Überschriftskästen den Hinweis “auch Spezialist für Verkehrsunfallabwicklungen”. Schlau, denn schließlich wollen laut Soldan-Umfrage 80% der Mandanten zum Spezialisten. Aber darf man sich denn so bezeichnen? Gar auf einem Rechtsgebiet, für das es eine offizielle Fachanwaltschaft gibt? Eher nicht oder? [mehr]
Dirty Harry darf nicht Schöffe sein
Der BGH musste mal wieder etwas klarstellen: “Ein Schöffe, der sich offen zur Selbstjustiz und zur Durchsetzung von Forderungen mittels rechtswidriger Drohungen oder Gewalt bekennt, begründet regelmäßig Zweifel an seiner Rechtstreue. Er kann wegen Besorgnis der Befangenheit abgelehnt werden.” (Urteil vom 28.04.2010 – 2 StR 595/09).
Loriot würde sagen: Ach was!
Surftipps zum Thema Ablehnung wegen Befangenheit: hier, hier (amüsant) und hier (noch amüsanter)
Geben sich Nordhessen die linke Hand?
Diesen Eindruck gewinnt man jedenfalls, wenn man die Website der Kollegin Heike von Bredow betrachtet (hier). Kann jemand dieses regional-soziologische Phänomen aufklären? Vermutlich hatte aber nur der Webdesigner die tolle Idee, das Foto zu spiegeln, damit es besser in den Banner passt.
Strafverfahren gegen Arthur Schifferer, den Parkplatz-Sheriff von Augsburg
Sein Name: Arthur Andreas Schifferer. Sein Geschäftsmodell: Parkraumüberwachung. Zu seinen Kunden gehör(t)en Supermärkte, Großkliniken und sogar Behörden. Im Auftrag seiner Kunden nimmt Schifferer (nach eigener Mitteilung Detektiv, Versicherungsmakler und eben Parkraumüberwachungsunternehmer) deren Unterlassungs- und Besitzkehransprüche wahr. Plastischer: Seine Mitarbeiter stehen auf Großraumparkplätzen herum, beobachten die dort Parkenden und werden sofort aktiv, wenn ein Autofahrer nicht den Laden des Parkplatzinhabers geht, sondern den Parkplatz “fremdnutzt”. Nun ist das nicht sonderlich sympathisch, aber prinzipiell durchaus rechtens. Stolz verweist Schifferer auf seiner Website www.parkraumueberwachung.de ja auch auf von ihm erstrittene Urteile- Nur scheinen es die Mitarbeiter des Herrn Schifferer ab und an etwas zu übertreiben. Da wird gern mal nach fünf Minuten eine Parkkralle an den parkenden Wagen montiert und der Fahrer am Wegfahren gehindert, wenn er nicht eine Pauschale von 400 Euro zahlt. Das wiederum fand die Augsburger Statsanwaltschaft nicht mehr witzig und klagt Schifferer nun wegen gewerbsmäßiger Erpressung und Nötigung an. Details in der Süddeutschen Zeitung vom 27.11.2009. Was die SZ nicht zeigt: So sieht er aus, der professionelle Parkraumüberwacher Arthur Schifferer (Link hier). Es lohnt sich, das Foto in aller Ruhe auf sich wirken zu lassen.
Zitatensammlung
Ein treffendes Zitat in der mündlichen Verhandlung kann den Gegner entwaffnen und den Richter für einen gewinnen. Hier eine Sammlung von guten, amüsanten, aufregenden und manchmal auch doofen Zitaten: zum Thema Scheidung, zu Verantwortung, von Karl Valentin (unerlaubt), zu Niveau in Schriftsätzen, von McLaren zu Plagiaten, von Nietzsche, von George Bush junior, von Roland Koch, nochmal zu George Bush, von Houellebecq, gar zu Menschenrechten, dann wieder zum Internet-Explorer und dann noch ein paar dumme Sprüche und Sprüche und Sprüche und zum Abschluss Dieter Bohlen.
