Der Mietnomade und seine Tiere. Neue Tricks gegen Zwangsräumung

Mietbetrüger sind erfinderisch. Zuerst werden vor und im Zivilprozess alle Register gezogen, um das Räumungsurteil hinauszuzögern. Hat der Vermieter dann endlich sein Urteil in Händen und den Gerichtsvollzieher beauftagt (möglichst nach dem Berliner Modell, siehe hier: Zwangsräumung von Mietnomaden), blüht ihm oft die nächste Überraschung. Der Mietbetrüger ist entweder am Tag vor der Zwangsräumung still und heimlich verschwunden und hinterlässt dem Vermieter eine verdreckte Wohnung sowie die Prozess- und Gerichtsvollzieherkosten. Oder aber er sabotiert die Vollstreckung durch diverse Tricks. Eine beliebte neue Masche: Der Mietbetrüger schafft ein Haustier an, das entweder groß und bedrohlich ist oder aber schwer vom Gerichtsvollzieher unterzubringen. Wer die Arbeitsweise und das Engagement vieler Gerichtsvollzieher in der Praxis erlebt hat kann sich die Begeisterung vorstellen, wenn er plötzlich ein Terrarium mit Leguanen oder Schlangen in der Wohnung vorfindet. Oder eine mannshohe Dogge. Meinetwegen auch nur ein Aquarium mit mehr oder weniger teuren Fischen. Wie stets bei solchen Zwangsräumungen können Gerichtsvollzieher und Vermieter das Eigentum des Mieters nicht einfach entsorgen oder auf die Straße stellen. Vielmehr muss das Zeug des Mieters sachgerecht eingelagert bzw. verwahrt werden. Die Kosten hierfür muss der Vermieter vorschießen. Er kann sie in der Theorie vom Mieter ersetzt verlangen, aber wir sprechen hier ja von Mietbetrügern, im Ergebnis bleibt er also auch auf diesen Kosten sitzen. Bei Tieren ist es nun noch spannender: Da muss der Gerichtsvollzieher (O-Ton BGH) „den Belangen des Tierschutzes Rechnung tragen, wenn er Tiere wegschafft und in Verwahrung nimmt“. Das bedeutet in der Praxis: Der durchschnittliche Gerichtsvollzieher zieht erst einmal wieder ab und erkundigt sich, wo und wie man Leguane, Doggen, Koi-Fische oder sonstiges Getier artgerecht unterbringen und anschließend verkaufen kann. Details zur Zwangsvollstreckung bei Tieren finden sich im aktuellen Beschluss des BGH vom 4.4.2012 – I ZB 19/11(dort ging es um Damwild).

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Ein Kommentar zu “Der Mietnomade und seine Tiere. Neue Tricks gegen Zwangsräumung”

  1. […] Die miesen Tricks der Mietnomaden23. Februar 2011 Das deutsche Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ hat in seiner Ausgabe 52/2011 einen Beitrag über Mietnomaden veröffentlicht. In diesem Artikel wird deutlich, welche finanziellen Folgen ein Mietnomade für Vermieter haben kann. Es werden die Tricks beschrieben, derer sich Mietnomaden bedienen. Und es wird der zermürbende Prozess in detaillierter Präzision geschildert, den Vermieter durchleben müssen, bevor sie Mietnomaden wieder loswerden können.Mit dem gleichen Thema beschäftigt sich auch die Bild-Zeitung in ihrem anschaulichen Video “Dreiste Tricks der Mietnomaden”; Links zu den Reportagen über die Tricks der Mietnomaden:http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-68316823.htmlhttp://www.bild.de/video/clip/mietnomaden/mietnomaden-20764312.bild.htmlhttp://www.rechthaber.com/der-mietnomade-und-seine-tiere-neue-tricks-gegen-zwangsraumung/  Kommentar, Anmerkung zu Die miesen Tricks der Mietnomaden?Ihre Meinung zu Die miesen Tricks der MietnomadenSachliche Hinweise, Anregungen sind stets willkommen, Werbung und Spam nicht! Pflichtfelder sind mit * gekennzeichnet.Ihre Anmerkung:Ihre Identität: Ihr Name* Ihre E-Mail-Adresse* (wird nicht veröffentlicht) Ihre Webseite (optional, mit http://) Spamschutz*: Summe aus 1 + 4 ? […]

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