Der monatliche Versuch des Honorarbetrugs: Heute mal ein 145.000 US$-Scheck in der Kanzleipost

Achtung Kollegen: Scheckbetrüger-Gesindel benutzt immer professioneller aussehende Dokumente. Speziell Anwaltskanzleien sind häufig Ziel

Wir bearbeiten viele internationale Fälle, vor allem mit Mandanten in UK und USA. Dafür haben wir spezielle Websites eingerichtet. Neben netten echten Mandanten zieht die Site leider auch regelmäßig Betrügergesindel an. Die meisten sind ganz offensichtlich als solche erkennbar und wir antworten gar nicht erst. Mit heutiger Post erhielt ich aber diese beiden ausnehmend schönen Citibank-Schecks über 145.500 US$ Fremdgeld und 806 US$ Anwaltshonorar (die falschen Schecks). Wie es bei Harald Schmidt früher hieß: In Farbe und bunt. Sogar mit Wasserzeichen. Eigentlich erfreulich. Andererseits auch wieder nicht, sie sind nämlich gefälscht. Würde ich sie zur Bank tragen, würde mir der Betrag erst einmal auf dem Konto (vermeintlich) gutgeschrieben. Einige Wochen später würde ich dann von meiner Bank informiert, dass der Scheck leider geplatzt ist, die ausländische Bank ihn also nicht eingelöst hat. Das wäre sehr betrüblich, denn mein „Mandant“ hätte mich zwischenzeitlich gebeten, das Fremdgeld an ihn zu überweisen. Wäre ich naiv genug gewesen, das zu tun, dann würde mich meine Frau aus dem Haus werfen, weil ich dann leider 145,000 US$ Schulden hätte.

Also lieber nicht. Stattdessen schicken wir die ganzen Dokumente jetzt an die kanadische, US-amerikanische und deutsche Polizei, die alle „Internet-Fraud-Police“-Abteilungen eingerichtet haben (in Ontario zum Beispiel hier) und wundern uns dann in etwa sechs Monaten darüber, warum man solche Betrüger eigentlich nie findet.

Ach ja, die Hintergrundstory war übrigens: Frau Miller aus USA hat einen Schuldschein gegen Herrn Schneider, der nicht zahlt. Ich soll ihn mahnen (per email, weil eine deutsche Adresse hat der Herr Schneider nicht). Obwohl ich da schon weiß, wo die Reise hingeht, mahne ich ihn spaßeshalber mal. Darauf kommt doch tatsächlich gleich dieser schöne reumütige Brief des Herrn Schneider, sogar mit kanadischer Briefmarke, und auch gleich mit beigefügten Schecks (der reumütige Brief). Nur leider ist die Unterschrift auf den Schecks nicht echt, sondern der Einfachheit gleich mit ausgedruckt. Ferner hat der Scheck noch etwa fünf weitere Indizien einer Fälschung, aber wir wollen ja nicht gleich alle Betriebsgeheimnisse verraten.

Hier gibt es weitere Infos zu Internet-Scheckbetrug und Check Fraud Schemes.

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2 Kommentare zu “Der monatliche Versuch des Honorarbetrugs: Heute mal ein 145.000 US$-Scheck in der Kanzleipost”

  1. Vielen Dank für Ihre Hinweise, liebe Kollegen!

    Auch ich habe von Mr. Thomas Schneider aus Toronto einen Scheck über 145.000,00 $ mit einem inhaltsgleichen Brief übersandt bekommen. (Allerdings war man bei mir mit dem Anwaltshonorar etwas „großzügiger“: Dieses betrug gleich 3.200,- $.)

    Angefangen hat alles mit einer E-Mail von einer Ms. Patricia Miller aus Kentucky (postpatriciamiller@email.com). Diese behauptete, sie suche für die Beitreibung einer ausstehenden Darlehensforderung einen Anwalt und fügte gleich die Kopie eines Darlehensvertrages mit Mr. Schneider bei, bei denen die Parteien merkwürdigerweise keine Adressen ausweisen (Gesamtsumme: 600.000,- $). Trotz Fälligkeit habe Mr. Schmidt bisher erst eine Summe von 140.000,- zurückgezahlt. Ich solle Mr. Schmidt zur Zahlung auffordern (von dem Ms. Miller dummerweise nur eine E-Mail-Anschrift hat).

    Noch bevor ich dazu komme, überhaupt ein Aufforderungsschreiben zu verfassen, meldet sich Mr. Schneider von sich aus mit dem oben erwähnten Brief bei mir, dem zwei Orderschecks der HSBC-Bank (Toronto) beigefügt sind. Den Betrag über 145.000,- $ soll ich nach Einlösung auf meinem Konto an Ms. Miller überweisen.

    Man ist allerdings so höflich, mir Zeit zu lassen, bis meine Bank die Einlösung des Schecks durch die kanandische Bank bestätigt hat (dazu unten mehr).

    Hmmmm, frage ich mich nun, was kann eine Frau aus Kentucky bewegen, die eine Forderung gegen einen Landsmann in Kanada beitreiben will, einen Anwalt aus Deutschland zu beauftragen? Vorsorglich weise ich Ms. Miller darauf hin, dass ich nach dem deutschen Geldwäsche-Gesetz verpflichtet bin, bei Transaktionen über 15.000,00 € die Identität des wirtschaftlich Begünstigten festzustellen.

    Prompt kommt am nächsten Tag eine E-Mail von „Attorney at Law“ Elmar J. George, ansässig in Lebanon (Kentucky), an die ein sog. „Proof of Identity“ angehängt ist. In den Staaten gibt’s ja bekanntlich keine Personalausweise. Übersandt werden Kopien von Führerschein, Sozialversicherungskarte und der Bankverbindung. Wirkt erst einmal seriös. Eine Recherche im Internet ergibt, dass in Lebanon (Kentucky) tatsächlich ein Anwalt dieses Namens ansässig ist.

    Etwas merkwürdig ist nur, dass auf dem Briefbogen von Mr. George eine ganz andere Telefonnummer angegeben wird als im Internet. Auch, dass die Anschrift von Ms. Miller auf dem Führerschein „schief“ steht: Arbeitet die Führerscheinbehörde in Kentucky so schlampig?

    Als Geburtsdatum wird auf der Kopie des Führerscheins angegeben „08-02-1974″ (deutsch: 02.08.1974). Auch in den USA gibt es Personen-Suchdienste. Eine Überprüfung bei http://www.salespider.com ergibt, dass unter der auf dem Führerschein angegebene Adresse „1455 Sandridge Road, Vine Grove, Kentucky“ tatsächlich eine Person mit dem Namen Patricia Miller wohnt, allerdings mit einem anderen Geburtsdatum. Außerdem wird die „wirkliche“ Patricia Miller dem unteren Einkommensbereich zugeordnet. Wie kann so jemand 600.000,- $ verleihen?

    Jetzt die Auflösung von oben:

    Der Scheck-Empfänger wird zwar angewiesen, den Scheckbetrag erst weiter zu überweisen, wenn die Bank den Geldeingang bestätigt hat (also nicht schon, wenn der Scheckbetrag noch unter „E.V.“ [Eingang vorehalten] steht). Was aber Viele nicht wissen: Nach kanadischem Recht kann die Bank einen Scheck auch noch mehrere Jahre nach seiner Einlösung zurückgehen lassen, wenn sich der Scheck nachträglich als gefälscht erweist. Und dann hat der Scheckeinlöser einen Minusbetrag von 145.000,- $ auf seinem Konto, die ihm niemand ersetzt.

    Deshalb noch einmal vielen Dank für Eure Warnung, liebe Blogbetreinber. Die beiden Schecks werde ich morgen der Polizei übergeben.

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