Voll krass illegale Rechtsberatung in Berlin

Zuerst hielten wir es für einen Scherz oder einen Streich eines verärgerten Blogger-Kollegen. Aber die Recherche ergab: Die Typen gibt es wirklich. Was war passiert: Bei uns, Rechthaber.com, riefen in den vergangenen Wochen einige Personen aus Berlin an und beschwerten sich über Cold Calling. Es habe sie jemand angerufen, Rechtberatung gegen eine Monatspauschale von 59,90 Euro angeboten und wegen der Details auf die Rechthaber-Website verwiesen. Man solle diese nervigen und unseriösen Anrufe doch bitte unterlassen. Bei Rechthaber.com war sich niemand einer Schuld bewusst. Heute klärte sich die Sache auf. Das tolle „Projekt“ verweist nicht auf unseren Blog, sondern auf die Website:  www.der-recht-haber.com. Und die ist einen Click wert, da ziemlich ergiebig als Quelle für krasse Verstöße gegen BRAO, Rechtsdienstleistungsgesetz u.a.m. Ein Blick ins Impressum sagt schon viel:„DER-RECHT-HABER IST EIN PRODUKT DER PROTELL MEDIA LTD. STI. GESCHÄFTSFÜHRER: HERR ERSAN YÜCEDAG. KAVAKLIDERE MAH.  KIZILIRMAK SOK. NO. 16/2, 06700 CANKAYA/ANKARA. Inhaltlich Verantwortlicher: Ersan Yücedag (gemäß § 6 Absatz 2 TMB) Kavaklidere Mah. Kizilirmak sok. No. 16/2, 06700 Cankaya/Ankara“

Was ist das Pojekt (oder sagen wir besser: das entgeltlich angebotene Produkt)? Wir zitieren: „Wir bieten dem Kunden an, ihn bei drei außergerichtlichen Rechtsfällen zu unterstützen in der Form, dass wir ihn gerne an einen der mit uns kooperierenden Rechtsanwälte vermitteln. Selbstverständlich übernehmen wir dann dessen Gebühren für die außergerichtliche Tätigkeit. Zusätzlich erhält der Kunde monatlich für drei außergerichtliche Rechtsfälle die Beratung bzw. Bearbeitung von ungewollten Verträgen von einem mit uns in Kooperation stehenden Rechtsanwalt. Folgende Rechtsgebiete sind hierbei gedeckt: Mobilfunk-und Telefonverträge, Internetanschlussverträge, Gewinnspielverträge, Kaufverträge mit Versandhäusern, Kaufhäusern und Möbelhäusern,  Abmahnungen für heruntergeladene Filme und Spiele. Im Übrigen verweisen wir bezüglich des Vertragsgegenstandes und Umfanges unserer Leistungen auf unsere Allgemeinen Geschäftsbedingungen.  Sollte der Kunde weitere Unterstützung in Rechtsfällen wünschen, gilt folgendes Angebot: Jede weitere Vermittlung kostet 9,90 EUR.“

Ooookay: Wird jetzt durch die türkische Limited selbst beraten oder wird nur ein Anwalt vermittelt? Wer wählt den vermittelten Anwalt aus? Wer erzählt ihm den Sachverhalt? Wir wollen gar nicht weiter nachforschen. Bei den Cold Callings (war das nicht auch mal verboten?) der Call-Center-Damen von der-recht-haber.com wird jedenfalls klar der Eindruck vermittelt, dass die 59,90 Euro Monatspauschale ein Rundum-Sorglos-Beratungsangebot beinhaltet. Und auf der Website rechts oben steht ziemlich unmissverständlich: „Probleme als Verbraucher? Werden Sie aktiv und erteilen Sie uns schnell und ganz einfach Ihren Auftrag! Dazu senden Sie uns einfach das Auftragsformular.“ Plus die Angabe einer entgeltlichen 01805er-Nummer. Die Frage, welche Anwaltskoryphäen da vermittelt werden, wollen wir ebenfalls nicht weiter vertiefen.

Nun, normalerweise wäre uns egal, wenn jemand eine derart geniale Geschäftsidee verfolgt. Da aber die Mitarbeiterinnen der türkischen Limited bei ihren Anrufen offenkundig so schludrig auf ihre Website hinweisen, dass die Angerufenen reihenweise auf unserer Domain rechthaber.com landen, finden wir es etwas weniger amüsant. Daher fragen wir jetzt einfach mal die Rechtsanwaltskammer Berlin, was die vom „Projekt“ des Herrn Yücedag hält. In diesem Sinne verbleiben wir: Der echte Rechthaber (ohne Bindestrich und ohne Monatspauschale von 59.90 Euro).

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3 Kommentare zu “Voll krass illegale Rechtsberatung in Berlin”

  1. […] den Originalbeitrag weiterlesen: Voll krass illegale Rechtsberatung in Berlin – Rechthaber Teile und hab Spaß Mit Klick auf diese Icons kann man diese Webseite mit anderen Social […]

  2. Hallo,

    ich wohne in Buxtehude (ca. 50 KM südlich von Hamburg) auch hier sind die Typen mit dem Cold Calling ihrer Rechtsberatung zwischenzeitlich angekommen.

  3. […] mal sind wir erstaunt, dass der unser Beitrag vom23. Februar auf Platz 1 der Jurablogs Beiträge der letzten sieben Tage geschossen ist.  Da scheint es […]

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