Vor dem Hauskauf bitte Erotikportale googeln!

Daran denkt eine junge Familie, die ein Eigenheim oder eine Eigentumswohnung erwerben will, wohl eher selten. Dennoch empfiehlt es sich für einen Immobilienkäufer, vor dem Notartermin zur Sicherheit die lokalen Sexportale darauf hin zu durchforsten, unter welchen Adressen an diesem Ort Prostituierte inserieren. Denn es kam in unserer Kanzlei in den vergangenen Jahren mehrfach vor (sowohl in München wie in Regensburg), dass unsere Mandanten als Käufer einer schönen neuen Immobilie kurz nach dem Einzug feststellen mussten, dass in unmittelbarerer Nachbarschaft sogenannte Terminwohnungen betrieben werden, dort also Prostituierte ihre Dienste anbieten. Mit allen Begleiterscheinungen, die das so mit sich bringt: rot erleuchtete Fenster, betrunkene Freier, feixende Jugendliche u.a.m. Das darf man dann täglich vom Küchenfenster oder vom Balkon aus mitverfolgen und beim Sonntagskaffee der Schwiegermutter erklären.

Besonders bitter ist das zum Beispiel im malerischen Neubaugebiet Candis Areal in Regensburg (Promo Video hier). Dort wurden schöne Familienhäuser und Eigentumswohnungen errichtet und – wegen der immensen Nachfrage in Regensburg – auch problemlos verkauft. Unglücklicherweise grenzt an eine Seite des neuen Wohngebiets die Straße Pürkelgutweg, wohl ein Mischgebiet, in dem zwar keine Bordelle, unter gewissen Einschränkungen aber Sexwohnungen zulässig sein können. Dort werden im Haus Nummer 18 auf drei Etagen mehrere Terminwohnungen betrieben. Die Anschrift ist kein Geheimnis, da in einschlägigen Erotikportalen und Sexforen aggressiv beworben, unter den wenig originellen Namen Wild, Sommer und Winter, wobei die unter Wild firmierenden Damen sowohl im EG als auch im 2. OG anzutreffen ist. Sportlich!

Unser Mandat und seine Gattin haben daher nun das zweifelhafte Vergnügen, in direkter Sichtlinie von ihrem Balkon aus den Eingang der Bedürfnisanstalt beobachten zu dürfen (bzw. zu müssen). Die Freizeitgestaltung in ihrer neuen Immobilie hatten sie sich eigentlich anders vorgestellt, idyllischer irgendwie. Das Rotlichtambiente dürfte im Fall eines späteren Verkaufs auch nicht unbedingt wertsteigernd sein. Und natürlich spricht sich die Nutzung der Immobilie Pürkelgutweg 18 in Regensburg auch unter den dort wohnenden Schulkindern herum, was zu Diskussionen über Themen führt, die die Eltern unter Umständen gerne noch ein paar Jahre verschoben hätten.

Einer unserer Mandanten erwägt nun eine Bürgerinitiative gegen Prostitution in unmittelbarer Nähe zum reinen Wohngebiet, in dem überwiegend junge Familien leben. Wir sind zwar keine Experten im Prostitutionsrecht und wollen es auch nicht werden. Nach sehr kursorischer Recherche dürften nach Auffassung der meisten Gerichte Terminwohnungen aber auch in Mischgebieten unzulässig sein (in reinen Wohngebieten ohnehin), wenn es sich um einen bordellähnlichen Betrieb handelt. Bei mehreren Escort-Wohnungen auf allen drei Etagen eines Hauses und „wöchentlich wechselnden Modellen“ (siehe Anzeige) spricht da einiges dafür. Nun, wir werden sehen wie kulant die bayerischen Ordnungsbehörden heutzutage bei diesem Thema sind.

Fazit und Praxistipp für angehende Eigenheimbesitzer: Zur Sicherheit vor dem Immobilienkauf die eigene künftige Adresse sowie alle angrenzenden Straßen auf den lokalen Sexportalen suchen und diese Straßen in Kombination mit Terminwohnung, Escort oder sonstigen einschlägigen Begriffen googeln. Danach weiß man mehr. In vielerlei Hinsicht.

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Die 2003 gegründete Kanzlei Graf & Partner ist mit ihrer englischspachigen Prozessabteilung (GP Chambers) auf deutsches Wirtschaftsrecht und grenzüberschreitende Rechtsfälle spezialisiert, insbesondere auf deutsch-britische und deutsch-amerikanische Wirtschaftsstreitigkeiten. Ansprechpartner ist Bernhard Schmeilzl, Rechtsanwalt & Master of Laws (Leicester, England), Telefon +49 (0) 941 – 463 7070.

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