Kategorie ‘English Law’

Muster für Pferdekaufverträge, Einstell- und Berittverträge

Von Bernhard Schmeilzl (15.01.2015)
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in juristisch brauchbarer Qualität und englischer Sprache sind auf dieser Website zu finden. Inhaltlich basieren diese natürlich auf englischem Recht, sind für den Einsatz in Deutschland also nur begrenzt tauglich. Dennoch kann man sich für die eigene Vertragsgestaltung inspirieren lassen. Informationen zum Pferdekauf nach deutschem Recht inklusive kommentiertem Vertragsformular gibt es hier: Pferdekauf: Checkliste und Musterkaufvertrag sowie im Beitrag: Das Pferd als “neue Sache”

17.500 Euro Honorarvorschuss an falschen Anwalt gezahlt

Von Bernhard Schmeilzl (06.11.2014)
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Heute Mittag erreicht mich die e-Mail eines verzweifelten Schweizers, der mich darum bittet, endlich die Abwicklung seiner Erbschaft in England voranzutreiben. Er habe da schon einen Anwalt in London, einen Herrn Philip Ross, aber der verlange immer nur Geld für sich und für das englische Finanzamt, es gehe aber nichts voran. Nun solle er nochmals weitere 4.000 Euro zahlen, er habe aber doch über die letzten vier Monate hinweg schon seine gesamten Ersparnisse von mehr als 17.000 Euro (!) nach England überwiesen und jetzt wolle er endlich Zugriff auf seine Erbschaft von 17 Millionen Pfund. Leider ist mir spätestens jetzt alles klar und die Geschichte kommt mir sehr vertraut vor. Die nächste Stunde verbringe ich damit, dem Mandanten zu erklären, dass er einer Betrügerbande aufgesessen ist und dass sein Geld weg sein dürfte. Nach den üblichen Stadien „denial“ (Leugnung) und „rage“ (Wut) kontaktieren wir nun die Polizei in Liverpool, damit die versucht, das Empfängerkonto in Liverpool zu sperren und den bei der Bank registrierten Begünstigten Dingfest zu machen, aber meine Hoffnung ist gering. Aus gegebenem Anlass verweise ich deshalb auf meinen ausführlichen Beitrag zum Thema Betrugsmasche angebliche Erbschaft hier.

Falls Sie bei einer britisch-deutschen Rechtsangelegenheit Unterstützung benötigen, stehen Ihnen die deutschen Anwälte und Solicitors der Kanzlei Graf & Partner sowie die englischen Solicitors der Kanzlei Lyndales gerne zur Verfügung. Ihr Ansprechpartner ist Bernhard Schmeilzl, Rechtsanwalt & Master of Laws (Leicester, England), der seit 2001 auf die Abwicklung deutsch-britischer Rechtsfälle spezialisiert ist.

Englischer Solicitor verstärkt Kanzlei Graf & Partner in München

Von Bernhard Schmeilzl (25.09.2014)
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Die auf britisch-deutsche Rechtsfälle spezialisierte Kanzlei Graf & Partner vermeldet Zuwachs: Ab sofort verstärkt die in England als Solicitor zugelassene Anwältin Elissa Jelowicki das Team um Rechtsanwalt Bernhard Schmeilzl. Als britische und kanadische Staatsbürgerin, die in Schottland studiert hat und in München lebt, ist Elissa Jelowicki international bestens vernetzt. Sie ist in München als Niedergelassene Europäische Rechtsanwältin zugelassen und berät sowohl im englischen wie im deutschen Recht.

Weitere Informationen:

– Londoner Anwälte vertiefen Kooperation mit Graf & Partner
– Deutsche Anwälte in England
– Was ist der Unterschied zwischen Barrister und Solicitor

Praxistipps für britische Unternehmer vom deutschen Wirtschaftsanwalt

Von Michael Gleiten (23.07.2014)
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Union Jack

Für englische Unternehmer, die nach Deutschland expandieren wollen, gibt Wirtschaftsanwalt und Blogger-Kollege Bernhard Schmeilzl im Magazin „London Business Matters“ der London Chamber of Commerce praktische Tipps und Infos. Hier der Link zum Beitrag „10 Top Tips when starting a Business in Germany. Ein Schwerpunktthema der gesamten Ausgabe (Heft 103/2014) ist: „Invest in Germany, UK’s largest trading partner“.

Die Kanzlei Graf & Partner ist auf britisch-deutsche Rechtsfragen spezialisiert und veröffentlicht auf den juristischen Info-Portalen Cross-Channel-Lawyers.de und dessen englischsprachiger Schwester CrossChannelLawyers.co.uk viele Artikel und Checklisten zu deutsch-britischen Fragestellungen aus den Bereichen Jura und Wirtschaft.

Ausführlichere Beiträge zum obigen Thema sind:

– 3 Ways to expand your Business to Germany
– What is a German “Mini-GmbH” or “Unternehmergesellschaft”?
– 10 Things to do when starting a German Business
– Guide for doing Business in Germany

Nein, man erbt nicht einige Millionen von jemandem, den man kaum kannte!

Von Bernhard Schmeilzl (26.06.2014)
38 Kommentare

Internet-Betrüger mit Masche der angeblichen Millionenerbschaft in UK werden immer geschickter. Wie erkennt man Internetbetrüger mit der Erbschaftsmasche?

Da wir auf deutsch-britisches Recht spezialisiert sind, erhalten wir regelmäßig Anrufe deutscher Mandanten, die uns beauftragen möchten einen Erbschaftstransfer zu beschleunigen, weil da „seit Monaten nichts vorangeht“, obwohl der Mandant ja einen Anwalt in England habe und auch schon Gebühren nach UK überwiesen habe. Da bin ich dann schon stutzig. Wenn auf die Rückfrage, ob denn schon ein englischer Erbschein beantragt wurde die Antwort kommt, dass davon bislang nie die Rede war, dann ist alles klar. Der Mandant ist der üblichen Betrugsmasche aufgesessen. Die Story ist immer so:

Ein entfernter Verwandter (Onkel, Cousin, etc.) sei verstorben und habe entweder ein Testament zugunsten des Mandanten hinterlassen oder ein Konto bzw. Depot sei zugunsten des Mandanten eingerichtet. Das Geld – meist gleich ein Millionenbetrag – liege bei einer Bank in UK und könne transferiert werden. Im aktuellen Betrugsfall ein angebliches „Investment Certificate“ bei der Barclays Bank: gefälschtes_Investment_Certificate

Es müsse nur – leider, leider – zuvor ein „Geldwäschezertifikat“ (Money Laundering Certificate) bezahlt werden. Manchmal auch ein „Affidavit of Proof“, ein „Anti-Terrorist-Certificate“ oder ein „Change of Ownership Certificate“, siehe die in einem aktuellen Betrugsfall verwendeten Fantasierechnungen: Invoice_1 und Invoice_2.

Um es gleich vorweg zu nehmen. Das ist alles völliger Humbug. Solche Certificates gibt es nicht. Dennoch gehen den Internet-Trickbetrügern immer wieder Deutsche auf dem Leim, weil manche dieser Kriminellen einen durchaus großen Aufwand betreiben.

Meist meldet sich ein angeblicher englischer Anwalt oder ein englischer Banker. Diese „weisen sich aus“ mit in einem Bildbearbeitungsprogramm gefälschten Pässen (Beispiel_gefälschter_Pass) oder Bankmitarbeiterkarten (Beispiel_gefälschte_ID_Card_Bank). Die Fälschung erkennt man daran, dass der Name meist schärfer erscheint als die restlichen Infos im Pass, da der Name nachträglich per Bildbearbeitungsprogramm eingefügt wurde. Manche Fälscher geben sich aber große Mühe, so dass der Scan auf den ersten Blick echt aussieht.

Diese angeblichen Anwälte und Bankmitarbeiter verschicken dann Nachrichten mit scheinbar ofziellen e-Mail-Adressen. Meist werden die echten Domains und eMail-Adressen nur wenig verändert, also statt: john.miller@barclays.com wird john.miller@barclays-uk.com verwendet. Oder www-commerzbank.de statt www.commerzbank.de.Die Postanschrift stimmt meist noch, aber die Kommunikation läuft ja über eMail und Telefon, wobei die Betrüger meist eine englische Handynummer angeben (in UK beginnen Mobilfunknummern meist mit 07, wenn also eine „Bank“ eine Geschäfts-Telefonnummer angibt, die mit +447… beginnt, ist höchste Vorsicht geboten. Es handelt sich meist um sogenannte Burner, also Prepaid-Handynummern, die entweder gar nicht oder auf eine dubiose Limited oder Auslandsgesellschaft registriert sind.

Im aktuellen Fall verwendeten die Betrüger die Namen und Adresse der (tatsächlich existierenden) „Standard Chartered Bank“, aber mit falscher eMail-Adresse. Der angebliche Bankmitarbeiter schrieb an das Betrugsopfer:

„Mr …, Many thanks to you too for your prompt and timely response. Please allow me to go straight into the matters at hand so as to enable us complete this transaction as soon as possible. Now we have taken a good look into the details and file provided by our sister bank barclays. After a thorough and proper verification process that was carried out, we understand that this transaction has been followed carefully and i must applaud your team for their efforts. Without out wasting much of our time, we want to bring to your notice that issues of inheritance such as this are to be dealt with properly and all financial and government rules regulations and regulations needs to be fulfilled to avoid future problems from the government entities. In view to this, you will need to provide us with the below documents because they are very essential.
1, A certified copy of TAX clearance certificate issued here in UK 2, A certified copy of the UK chamber of commerce endorsement certificate 3, The UK chamber of commerce administrative clearance certificate
Please note that as soon as we receive these documents we will immediately release account details for siwft funds transfer to any specific account of your choice or we can initiate a bank wire depends on what you want.
We understand that you lawyer has been made aware the fact that we have been handed the job of making sure this deal is completed. He also has to be the one that will apply for the documents because these documents will note be given without the permission of a certified lawyer. From my experience, i reckon that these paper works will cost a total of a bout 47,800 pounds this is inclusive of tax reduction permit that will be issued by the authority. We hope that this funds be made available to your barrister to ensure immediate purchase of the documents. Your barrister can also make the trip down to confirm the prices just to be sure.  We are truly sorry for any inconvenience this might have caused but this is to enable us serve you better.
Thanks, Please reply…
Mr Callum Brown
Standard Chartered Bank
Operational Manager
1 Basinghall Avenue, London.“

Ja, Sie lesen richtig: Die Betrüger verlangen allen Ernstes 47.800 englische Pfund, wiegen das Opfer aber dadurch in Sicherheit, dass das Geld an einen angeblichen englischen Anwalt überwiesen werden soll. Der „weist sich ebenfalls aus“ durch gefälschte Passscans und irgendwelche Fantasiedokumente. Wenn das Opfer gezahlt hat, wird das Geld sofort auf ein anderes Konto weiter übertragen. Die Akteure sind verschwunden bzw. saßen meist ohnehin nie in England.

Wenn ich dem Opfer diese Nachricht überbringe, weigern sich viele, die Wahrheit zur Kenntnis zu nehmen. Immer wieder sprechen die Opfer dann von „dem Anwalt“ und „dem Bankmitarbeiter“ und es dauert oft Tage, bis beim Opfer tatsächlich klar wird, dass es den Banker und den Anwalt nie gab. Es gab nur einen oder mehrere Internet-Betrüger, die an irgendeinem PC in Nigeria, Asien oder vielleicht wirklich UK saßen und Fantasiedokumente verschickten. Weitere Informationen und Beispiele für echte und falsche Dokumente finden Sie hier

Das Geld ist weg. Man kann natürlich eine Strafanzeige in UK erstatten, wobei dort sogar eine besondere Anlaufstelle für Internetkriminalität existiert, die Action Fraud Police. In den gut 50 Fällen, die wir als Anwälte angezeigt haben, habe ich allerdings noch kein einziges Mal erlebt, dass die Akteure tatsächlich gefunden wurde.

Es hilft also nur, auf solche Betrüger gar nicht hereinzufallen. Dazu muss man wissen, wie die Abwicklung eines englischen Erbfalls abläuft (Details in den Links unten). Eine englische Bank würde in einem Erbfall niemals Geld freigeben, ohne dass vorher ein englischer Erbschein (Grant of Porbate) vorgelegt wird. In der Regel gibt die Bank noch nicht einmal Auskunft über ein Guthaben des Verstorbenen. Weitere Informationen zum Erbschaftsbetrug im Betrag hier sowie auf der Website der Action Fraud unter „Inheritance Fraud Scheme„.

Wenn Sie im Zweifel sind, ob Ihr Kontakt in England seriös ist, prüfen wir dies gerne. Da wir seit Jahren englische Erbfälle abwickeln wissen wir, wie echte Dokumente der Gerichte und des Finanzamts aussehen. Innerhalb einer Stunde belegen wir Ihnen, ob Sie es mit einem Betrüger zu tun haben und warum.

Kontakt:

Falls Sie bei einem konkreten Erbfall rechtliche Unterstützung benötigen, stehen Ihnen die deutschen Anwälte der Kanzlei Graf & Partner sowie deren Partneranwälte in UK gerne zur Verfügung. Ihr Ansprechpartner ist Bernhard Schmeilzl, Rechtsanwalt & Master of Laws (Leicester, England), der in internationalen Nachlassverfahren regelmäßig als Administrator, Executor oder Trustee tätig ist oder Erben berät und anwaltlich vertritt, sowohl in Deutschland als auch in UK.

Weitere Informationen auf Cross-Channel-Lawyers, dem Portal für deutsch-britisches Recht:

Englisches Erbrecht: die Basics
Betrugsmasche Erbfall aus England
– Das englische Testament: Musterformulierungen
Deutsch-britische Erbfälle: Was bedeutet Nachlassspaltung?
Erbschaftssteuer in England: Steuersätze, Freibeträge, Anrechnung auf deutsche Steuer

Englische Law Society verweist auf deutschen Blog

Von Michael Gleiten (03.09.2013)
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Respekt, die ehrwürdige „The Law Society of England and Wales“ veröffentlicht einen Beitrag (hier) des Münchner Kollegen Schmeilzl zum Thema Unternehmensgründung in Deutschland und verlinkt sogar auf den Spezialblog CrossChannelLawyers, der zahlreiche deutsch-britische Rechtsfragen behandelt. Verwandte Artikel zum Thema Unternehmensgründung sowie Starting a Business für ausländische Unternehmer in Deutschland finden sich hier.

Serving foreign Court Orders in Germany

Von Bernhard Schmeilzl (24.06.2013)
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In the UK and the USA, the common way to deliver official court papers to a debtor / defendant is personal service (see for example this video by a State of Colorado judge). As seen in many movies and TV series, someone approaches the debtor, asks him „Are you Mr Neverpay“ and – if the person is careless enough to respond „yes“ – hands over the documents and says „you have been served“. Then the person delivering the papers quickly walks away just in case the person served gets angry – which happens quite often. In the anglo-american legal system there are commercial service providers called process servers (for USA see this directory), although court papers may also be served by sheriffs (USA) or bailiffs (UK). Process servers live quite a dangerous life and sometimes even get stabbed or shot, especially when serving eviction or divorce papers.

Now, in Germany, personal serving of court papers or other legal documents is much less important, because – unlike in Britain or the USA, courts generally accept other methods of serving papers, especially leaving the documents in the defendant’s letterbox. Thus,there are virtually no commercial process servers in Germany. How to serve foreign court orders or judgments in Germany and still fulfil the legal requirements of UK or US courts is explained here.

ZPO-Reform in England: Frischer Wind in Her Majesty’s Courts

Von Bernhard Schmeilzl (07.06.2013)
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Das englisches Justizsystem ist seit einigen Jahren massiv im Umbruch. Seit April 2013 gelten für Zivilprozesse in England und Wales nun auch erheblich geänderte Verfahrensregeln, zum Beispiel im Hinblick auf die Kostenerstattung zwischen den Parteien. Bisher war es für einen Kläger kaum vorhersehbar, ob er – selbst wenn er den Prozess gewinnt – vom Prozessgegner eine Erstattung seiner Anwaltskosten zugesprochen bekommt. Dies lag im Ermessen des Richters.

Die Civil Procedure Rules (Pendant zur deutschen ZPO) sind eine komplexe Lektüre und wurden durch die Reform nicht einfacher. Eine gute Erläuterung der Neuerungen (in englischer Sprache) findet sich auf dem Out-Law-Blog der Kanzlei Pinsent Masons, einen Überblick über das englische Gerichtssystem (in deutscher Sprache) bietet der Beitrag hier.

Weitere Informationen zu deutsch-britischer Vertragsgestaltung, Prozessführung und Zwangsvollstreckung von Forderungen finden Sie in UK auf dem Portal für Deutsch-Britisches-Recht www.cross-channel-lawyers.de. Falls Sie bei einer konkreten Rechtssache Unterstützung benötigen, stehen Ihnen die deutschen Anwälte der Kanzlei Graf & Partner sowie deren Partneranwälte in UK gerne zur Verfügung. Ihr Ansprechpartner für englisches Recht ist Bernhard Schmeilzl, Rechtsanwalt & Master of Laws (Leicester, England).

Wenn ein englischer Schuldner stirbt…

Von Bernhard Schmeilzl (02.04.2013)
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… dann ist für den Gläubiger trotz aller nötigen Pietät schnelles Handeln geboten. Denn das englische Recht kennt keine Gesamtrechtsnachfolge der Erben (Universalsukzession). Im Common Law haften die Erben also nicht für die Verbindlichkeiten des Verstorbenen, sondern nur der Nachlass (Estate) als solcher. Eine persönliche Haftung des Erben mit seinem Privatvermögen erscheint nach anglo-amerikanischem Rechtsverständnis geradezu absurd. Die Reaktion englischer Solicitors, wenn sie vom deutschen Grundsatz der Universalsukzession hören, ist meist: „Why would an heir be personally liable?“. Das Grundverständnis ist hier eben ein völlig anderes: Der Nachlass steht im Zentrum des englischen Erbrechts, nicht – wie in Deutschland – der Erbe bzw. die Erbengemeinschaft. So werden konsequenterweise auch nicht die Erben und Vermächtnisnehmer (die Beneficiaries) persönlich besteuert, sondern die britische Inheritance Tax richtet sich gegen den Nachlass. Es gibt einen Steuerfreibetrag (nil-rate band) für den Gesamtnachlass, egal wie viele Erben oder Vermächtnisnehmer existieren. All dies erklärt auch, warum bei englischen Erbfällen stets ein Abwickler bestellt werden muss (je nach Konstellation Administrator, Executor oder Trustee genannt). Während in Deutschland die Erben in der Regel alles unter sich ausmachen (können), weil ihnen das Erbe in der Sekunde des Todes ja ohnehin automatisch zufällt, muss ein Estate nach englischem Recht erst einmal verwaltet, besteuert und dann an die Beneficiaries ausgekehrt werden.

Zurück zur Haftung für Nachlasschulden: Was nach deutschem Recht also die Ausnahme ist, die man mühsam herbeiführen muss, in dem man Nachlassinsolvenz (§§ 1975 BGB, 315 ff. InsO) oder das Nachlassverwaltungsverfahren (§§ 1981 ff. BGB) beantragt, ist nach britischem Recht der gesetzliche Regelfall. Es haftet nur das Vermögen, das der Verstorbene hinterlassen hat. Die Erbmasse (Aktiva wie Passiva) ist ein Sondervermögen, es wird sozusagen ein Zaum um das Nachlassvermögen gezogen. Reichen die Nachlassaktiva nicht aus, um alle Schulden des Verstorbenen zu bezahlen, so wird eine Quote gebildet, wie man das aus Insolvenzverfahren kennt.

Wer als Nachlassgläubiger seine Forderung nicht rechtzeitig anmeldet, geht leer aus. Ein englischer Nachlassverwalter (Executor, Administrator) bzw. Trustee veröffentlicht nämlich in aller Regel eine „Deceased Estate Notize“ in einer Tageszeitung (Beispiel siehe hier: Newspaper Deceased Estate Notice und Infos zur Anzeigenschaltung hier), also eine Aufforderung an alle Gläubiger des Verstorbenen, sich zu melden. Diese Veröffentlichung ist nicht nur bei überschuldeten Nachlässen relevant, sondern soll den Executor, Administrator bzw. Trustee auch davor schützen, dass später noch Gläubiger auftauchen, nachdem er die Erbmasse bereits an die Erben (Beneficiaries) verteilt hat.

Fazit: Wer Forderungen gegen eine verstorbene englische Privatperson hat oder wer als Anwalt einen solchen Nachlassgläubiger (estate creditor) vertritt, darf sich nicht darauf verlassen, dass er die Erben in Anspruch nehmen kann. Es haftet nur der Nachlass (ggf. quotal) und auch das nur, wenn die Forderung angemeldet ist.

Kontakt:

Falls Sie bei einem konkreten Erbfall rechtliche Unterstützung benötigen, stehen Ihnen die deutschen Anwälte der Kanzlei Graf & Partner sowie deren Partneranwälte in UK gerne zur Verfügung. Ihr Ansprechpartner ist Bernhard Schmeilzl, Rechtsanwalt & Master of Laws (Leicester, England), der in internationalen Nachlassverfahren regelmäßig als Administrator, Executor oder Trustee tätig ist oder Erben berät und anwaltlich vertritt, sowohl in Deutschland als auch in UK.

Weitere Informationen auf Cross-Channel-Lawyers, dem Portal für deutsch-britisches Recht:

Englisches Erbrecht: die Basics
Das englische Testament: Musterformulierungen
Deutsch-britische Erbfälle: Was bedeutet Nachlassspaltung?
Erbschaftssteuer in England: Steuersätze, Freibeträge, Anrechnung auf deutsche Steuer

Widersprechende AGB bei grenzüberschreitenden Verträgen: Was gilt?

Von Bernhard Schmeilzl (21.03.2013)
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Der Klassiker im Business to Business-Geschäft: Beide Vertragsparteien verweisen in der Bestellung bzw. der Auftragsbestätigung jeweils auf ihre Allgemeinen Geschäftsbedingungen (auch AGB, Einkaufsbedingungen, Lieferbedingungen, Terms & Conditions, Purchasing Conditions, Sale Conditions). Als deutscher Jurist hat man dann abgespeichert: Bei sich widersprechenden AGBs gelten dann gar keine AGBs, soweit sich die Klauseln widersprechen (sog. „Restgültigkeitstheorie“), sondern es gelten die allgemeinen gesetzlichen Regeln, also BGB und HGB.

Doch Vorsicht: Im internationalen Geschäftsverkehr kann man sich darauf keinesfalls verlassen. Viele Rechtsordnungen wenden vielmehr immer noch die „Theorie des letzten Wortes“ an (im anglo-amerikanischen Bereich „last shot doctrine“ genannt). Es gelten also die Bedingungen desjenigen Vertragspartners, der als letztes darauf verwiesen hat. In der Praxis wird das also in der Regel der Vertragspartner sein, der die Auftragsbestätigung schickt (Order Confirmation). Der BGH hat dies früher übrigens auch so gesehen und die „Theorie des letzten Wortes“ angewendet, in Anlehnung an den Rechtsgedanken des Art. 19 CISG (UN-Kaufrecht).

Da dies in der Praxis aber zu unfairen und für die Parteien selbst oft überraschenden, zufälligen Ergebnissen führt (jede Partei meint in der Regel, dass ihre AGBs gelten), stellt die Rechtsprechung in Deutschland heute nicht mehr auf die „last shot rule“ ab. Meines Erachtens völlig richtig, da die AGBs eben gerade nicht vom anderen Vertragspartner gebilligt wurden, bloß weil dieser nicht (noch einmal) widersprochen hat. In der Praxis würde die „last shot rule“ die Parteien dazu zwingen, immer noch einmal und noch einmal auf ihre eigenen Terms zu verweisen, bis der andere Teil „aufgibt“. Frei nach Cato: „Im übrigen bin ich der Meinung, dass meine Bedingungen gelten“. Das ist weder praktikabel, noch sinnvoll. Aber eben in vielen Rechtsordnungen geltendes Recht.

Die Auswirkungen sind dramatisch, weil die AGBs in aller Regel auch Bestimmungen dazu enthalten, welcher (internationale) Gerichtsstand und welches materielle recht gelten sollen. So manches deutsche Unternehmen fand sich so vor einem englischen Gericht wieder, obwohl es doch in seinen Einkaufs- oder Lieferbedingungen eine Prozessführung am Firmensitz angeordnet hatte.  Wer also im internationalen Geschäftsverkehr AGBs verwendet, muss dringend darauf achten, dass die Gegenseite diese entweder ausdrücklich akzeptiert oder zumindest nicht als letzter auf die eigenen AGBs verweist. Noch besser ist natürlich ein explizit ausgehandelter Vertrag, den beide Seiten unterschreiben. Allgemeine Infos zu Allgemeinen Geschäftsbedingungen im Beitrag der IHK Frankfurt (hier)

Weitere Informationen zu Vertragsabschlüssen zwischen deutschen und englischen Firmen, zu internationaler Vertragsgestaltung, Prozessführung und Zwangsvollstreckung von Forderungen in UK auf dem Portal für Deutsch-Britisches-Recht www.cross-channel-lawyers.de