Schlagwort ‘Betrugsmasche Erbfall England UK’

Schutz vor Betrugsmasche „Erbschaft in England“: So sehen echte Gerichtsbriefe aus

Von Bernhard Schmeilzl (20.01.2015)
Ein Kommentar

Die Anfragen reißen nicht ab und lesen sich meist in etwa so:

„Lieber Herr Rechtsanwalt, ich habe eine hohe Summe in England geerbt, das britische Finanzamt (wahlweise die Bank, das Gericht, ein angeblicher Zollbeamter etc) gibt aber das Geld nicht frei. Obwohl ich doch schon Betrag xxx (der traurige Rekord in den von unserer Kanzlei bearbeiteten Fällen lag bei gut 85.000 Euro) nach UK überwiesen habe.“

In dieser Konstellation ist sofort klar, der Mandant ist einem Betrüger aufgesessen. Auch die Polizei kann da meist nicht mehr viel tun, weil das Geld in aller regel sofort ins nichteuropäische Ausland weiter transferiert wird. Die verschiedenen Betrugsmaschen haben wir hier und  hier ausführlich erläutert. Da die Internet-Betrüger meistens selbst am Computer gestaltete Phantasiedokumente vorlegen, zeigen wir hier einmal, wie echte Schreiben eines englischen Nachlassgerichts (Probate Court) sowie des englischen Finanzamts (HMRC – Her Majesty’s Revenue & Customs) Abteilung Erbschaftssteuer (IHT – Inheritance Tax Department) aussehen. Generell gilt: Gerichte und Finanzamt korrespondieren so gut wie nie per eMail (schon gar nicht am Anfang eines Erbfalls), sondern schicken Briefe stets per Post, nicht als PDF-Scan. Bei den folgenden Beispielen handelt es sich um (natürlich anonymisierte) Briefe aus einem echten deutsch-britischen Erbfall, in dem ich als Administrator (Nachlassabwickler) agiere.

– Brief englisches Nachlassgericht (HMCTS Probate Department)
– Brief englisches Finanzamt (HM Revenue & Customs)

Falls Sie bei einem konkreten Erbfall rechtliche Unterstützung benötigen, stehen Ihnen die deutschen Anwälte der Kanzlei Graf & Partner sowie deren Partneranwälte in UK gerne zur Verfügung. Ihr Ansprechpartner ist Bernhard Schmeilzl, Rechtsanwalt & Master of Laws (Leicester, England), der in internationalen Nachlassverfahren regelmäßig als Administrator, Executor oder Trustee tätig ist oder Erben berät und anwaltlich vertritt, sowohl in Deutschland als auch in UK.

Sehen Sie auch unser YouTube Video zum Thema Erbschaftsbetrug

Weitere Informationen auf Cross-Channel-Lawyers, dem Portal für deutsch-britisches Recht:

Englisches Erbrecht: die Basics
–  Nein, man erbt nicht einige Millionen von jemanden, den man kaum kannte!
Der erfundene Anwalt Bradley Martins: Beispiele für echte und gefälschte Dokumente
Das englische Testament: Musterformulierungen
Deutsch-britische Erbfälle: Was bedeutet Nachlassspaltung?
Erbschaftssteuer in England: Steuersätze, Freibeträge, Anrechnung auf deutsche Steuer

Nein, man erbt nicht einige Millionen von jemandem, den man kaum kannte!

Von Bernhard Schmeilzl (26.06.2014)
38 Kommentare

Internet-Betrüger mit Masche der angeblichen Millionenerbschaft in UK werden immer geschickter. Wie erkennt man Internetbetrüger mit der Erbschaftsmasche?

Da wir auf deutsch-britisches Recht spezialisiert sind, erhalten wir regelmäßig Anrufe deutscher Mandanten, die uns beauftragen möchten einen Erbschaftstransfer zu beschleunigen, weil da „seit Monaten nichts vorangeht“, obwohl der Mandant ja einen Anwalt in England habe und auch schon Gebühren nach UK überwiesen habe. Da bin ich dann schon stutzig. Wenn auf die Rückfrage, ob denn schon ein englischer Erbschein beantragt wurde die Antwort kommt, dass davon bislang nie die Rede war, dann ist alles klar. Der Mandant ist der üblichen Betrugsmasche aufgesessen. Die Story ist immer so:

Ein entfernter Verwandter (Onkel, Cousin, etc.) sei verstorben und habe entweder ein Testament zugunsten des Mandanten hinterlassen oder ein Konto bzw. Depot sei zugunsten des Mandanten eingerichtet. Das Geld – meist gleich ein Millionenbetrag – liege bei einer Bank in UK und könne transferiert werden. Im aktuellen Betrugsfall ein angebliches „Investment Certificate“ bei der Barclays Bank: gefälschtes_Investment_Certificate

Es müsse nur – leider, leider – zuvor ein „Geldwäschezertifikat“ (Money Laundering Certificate) bezahlt werden. Manchmal auch ein „Affidavit of Proof“, ein „Anti-Terrorist-Certificate“ oder ein „Change of Ownership Certificate“, siehe die in einem aktuellen Betrugsfall verwendeten Fantasierechnungen: Invoice_1 und Invoice_2.

Um es gleich vorweg zu nehmen. Das ist alles völliger Humbug. Solche Certificates gibt es nicht. Dennoch gehen den Internet-Trickbetrügern immer wieder Deutsche auf dem Leim, weil manche dieser Kriminellen einen durchaus großen Aufwand betreiben.

Meist meldet sich ein angeblicher englischer Anwalt oder ein englischer Banker. Diese „weisen sich aus“ mit in einem Bildbearbeitungsprogramm gefälschten Pässen (Beispiel_gefälschter_Pass) oder Bankmitarbeiterkarten (Beispiel_gefälschte_ID_Card_Bank). Die Fälschung erkennt man daran, dass der Name meist schärfer erscheint als die restlichen Infos im Pass, da der Name nachträglich per Bildbearbeitungsprogramm eingefügt wurde. Manche Fälscher geben sich aber große Mühe, so dass der Scan auf den ersten Blick echt aussieht.

Diese angeblichen Anwälte und Bankmitarbeiter verschicken dann Nachrichten mit scheinbar ofziellen e-Mail-Adressen. Meist werden die echten Domains und eMail-Adressen nur wenig verändert, also statt: john.miller@barclays.com wird john.miller@barclays-uk.com verwendet. Oder www-commerzbank.de statt www.commerzbank.de.Die Postanschrift stimmt meist noch, aber die Kommunikation läuft ja über eMail und Telefon, wobei die Betrüger meist eine englische Handynummer angeben (in UK beginnen Mobilfunknummern meist mit 07, wenn also eine „Bank“ eine Geschäfts-Telefonnummer angibt, die mit +447… beginnt, ist höchste Vorsicht geboten. Es handelt sich meist um sogenannte Burner, also Prepaid-Handynummern, die entweder gar nicht oder auf eine dubiose Limited oder Auslandsgesellschaft registriert sind.

Im aktuellen Fall verwendeten die Betrüger die Namen und Adresse der (tatsächlich existierenden) „Standard Chartered Bank“, aber mit falscher eMail-Adresse. Der angebliche Bankmitarbeiter schrieb an das Betrugsopfer:

„Mr …, Many thanks to you too for your prompt and timely response. Please allow me to go straight into the matters at hand so as to enable us complete this transaction as soon as possible. Now we have taken a good look into the details and file provided by our sister bank barclays. After a thorough and proper verification process that was carried out, we understand that this transaction has been followed carefully and i must applaud your team for their efforts. Without out wasting much of our time, we want to bring to your notice that issues of inheritance such as this are to be dealt with properly and all financial and government rules regulations and regulations needs to be fulfilled to avoid future problems from the government entities. In view to this, you will need to provide us with the below documents because they are very essential.
1, A certified copy of TAX clearance certificate issued here in UK 2, A certified copy of the UK chamber of commerce endorsement certificate 3, The UK chamber of commerce administrative clearance certificate
Please note that as soon as we receive these documents we will immediately release account details for siwft funds transfer to any specific account of your choice or we can initiate a bank wire depends on what you want.
We understand that you lawyer has been made aware the fact that we have been handed the job of making sure this deal is completed. He also has to be the one that will apply for the documents because these documents will note be given without the permission of a certified lawyer. From my experience, i reckon that these paper works will cost a total of a bout 47,800 pounds this is inclusive of tax reduction permit that will be issued by the authority. We hope that this funds be made available to your barrister to ensure immediate purchase of the documents. Your barrister can also make the trip down to confirm the prices just to be sure.  We are truly sorry for any inconvenience this might have caused but this is to enable us serve you better.
Thanks, Please reply…
Mr Callum Brown
Standard Chartered Bank
Operational Manager
1 Basinghall Avenue, London.“

Ja, Sie lesen richtig: Die Betrüger verlangen allen Ernstes 47.800 englische Pfund, wiegen das Opfer aber dadurch in Sicherheit, dass das Geld an einen angeblichen englischen Anwalt überwiesen werden soll. Der „weist sich ebenfalls aus“ durch gefälschte Passscans und irgendwelche Fantasiedokumente. Wenn das Opfer gezahlt hat, wird das Geld sofort auf ein anderes Konto weiter übertragen. Die Akteure sind verschwunden bzw. saßen meist ohnehin nie in England.

Wenn ich dem Opfer diese Nachricht überbringe, weigern sich viele, die Wahrheit zur Kenntnis zu nehmen. Immer wieder sprechen die Opfer dann von „dem Anwalt“ und „dem Bankmitarbeiter“ und es dauert oft Tage, bis beim Opfer tatsächlich klar wird, dass es den Banker und den Anwalt nie gab. Es gab nur einen oder mehrere Internet-Betrüger, die an irgendeinem PC in Nigeria, Asien oder vielleicht wirklich UK saßen und Fantasiedokumente verschickten. Weitere Informationen und Beispiele für echte und falsche Dokumente finden Sie hier

Das Geld ist weg. Man kann natürlich eine Strafanzeige in UK erstatten, wobei dort sogar eine besondere Anlaufstelle für Internetkriminalität existiert, die Action Fraud Police. In den gut 50 Fällen, die wir als Anwälte angezeigt haben, habe ich allerdings noch kein einziges Mal erlebt, dass die Akteure tatsächlich gefunden wurde.

Es hilft also nur, auf solche Betrüger gar nicht hereinzufallen. Dazu muss man wissen, wie die Abwicklung eines englischen Erbfalls abläuft (Details in den Links unten). Eine englische Bank würde in einem Erbfall niemals Geld freigeben, ohne dass vorher ein englischer Erbschein (Grant of Porbate) vorgelegt wird. In der Regel gibt die Bank noch nicht einmal Auskunft über ein Guthaben des Verstorbenen. Weitere Informationen zum Erbschaftsbetrug im Betrag hier sowie auf der Website der Action Fraud unter „Inheritance Fraud Scheme„.

Wenn Sie im Zweifel sind, ob Ihr Kontakt in England seriös ist, prüfen wir dies gerne. Da wir seit Jahren englische Erbfälle abwickeln wissen wir, wie echte Dokumente der Gerichte und des Finanzamts aussehen. Innerhalb einer Stunde belegen wir Ihnen, ob Sie es mit einem Betrüger zu tun haben und warum.

Kontakt:

Falls Sie bei einem konkreten Erbfall rechtliche Unterstützung benötigen, stehen Ihnen die deutschen Anwälte der Kanzlei Graf & Partner sowie deren Partneranwälte in UK gerne zur Verfügung. Ihr Ansprechpartner ist Bernhard Schmeilzl, Rechtsanwalt & Master of Laws (Leicester, England), der in internationalen Nachlassverfahren regelmäßig als Administrator, Executor oder Trustee tätig ist oder Erben berät und anwaltlich vertritt, sowohl in Deutschland als auch in UK.

Weitere Informationen auf Cross-Channel-Lawyers, dem Portal für deutsch-britisches Recht:

Englisches Erbrecht: die Basics
Betrugsmasche Erbfall aus England
– Das englische Testament: Musterformulierungen
Deutsch-britische Erbfälle: Was bedeutet Nachlassspaltung?
Erbschaftssteuer in England: Steuersätze, Freibeträge, Anrechnung auf deutsche Steuer